Jahresrückblick 2018

Januar

Los ging das Jahr 2018 vielversprechend mit einem Sieg gegen Schalke (3:1), der uns Platz zwei der Tabelle brachte und die Rückrunde der vergangenen Saison einläutete. Schalke schloss die letzte Saison noch mit einem Champions-League-Platz ab, diese Saison hängen sie dagegen durch.

Waren es gegen Schalke noch drei Tore, wurden es zunehmend weniger. Beim Auswärtsspiel im kalten, aber schneelosen Freiburg verloren wir 2:1, gegen den HSV zu Hause folgte ein Unentschieden (1:1), um schließlich im Borussiapark gerade noch mit einem 0:1 glücklich nach Hause zu fahren.

Ademola Lookman, auf den einige in Leipzig heute noch vergeblich warten, schoss den Siegtreffer. Er wurde für den verletzten Emil Forsberg auf Leihbasis bis Saisonende aus Everton geholt und machte sich umgehend bezahlt.

„Bin froh, mit Lookman eine Alternative zu haben. Wenn er nur hilft, ein, zwei Spiele mehr zu gewinnen oder das Trainingsniveau zu erhöhen, macht der Transfer schon Sinn.“

Ralph Hasenhüttl auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen M’Gladbach.

Februar

Dayout Upamecano erzielte seinen ersten Bundesligatreffer gegen den FC Augsburg (2:0). Der Rückkehrer Khedira im Trikot der Augsburger haderte mit der Leipziger Ausrichtung auf Gegenpressing und Umschaltfußball.

„Ich weiß nicht, ob man das zu Hause gegen den kleinen FC Augsburg machen muss.“

Rani Khedira nach dem Spiel RB Leipzig vs. FC Ausgburg
Listig, trotzig, grob und gefräßig soll er sein: der Pulcinella aus Neapel.

Eines der Highlights des Jahres 2018: Die Europa-League-Spiele gegen den SSC Neapel. Bereits im Februar 1988 gastierten die Azzurri (die Blauen) im alten Zentralstadion im Uefa-Pokal gegen Lok Leipzig.

1.500 Leipziger pilgerten in die Stadt in Kampanien. „Der Tanz auf dem Vulkan“ (rb-fans.de) war ein Ereignis. Ob auf dem Vesuv, in der untergegangenen Stadt Pompeji, im Castel Sant’Elmo oder in den Restaurants und Kneipen der Stadt – überall begegnete man Leipzigern.

Für die Napolitaner war Leipzig ein unbekannter Gegner. So kam es, dass man in der Stadt oft freundlich begrüßt, einem ein „Lipsia“ entgegen gerufen oder man mit dem Schal zu Selfies mit dem Koch in der Pizzeria genötigt wurde. Auch für den SSC war Leipzig die Unbekannte. Trotz Führungstreffer verloren sie 1:3, weil man durch das Pressing der Gäste zu oft den Ball verlor und ihnen beim blitzschnellen Umschalten zusehen musste; erst Timo Werner, dann Bruma und wieder Werner veredelten das Ergebnis.

Leider kamen nur 15.000 Anhänger des SSC Neapel ins altehrwürdige Stadio San Paolo.

Beim Rückspiel in Leipzig konnte man dann die Qualitäten des Vereins sehen, dessen gekonntes Ballbesitzspiel unter Kettenraucher Maurizio Sarri vielen Bewunderung abnötigt – darunter auch Ralph Hasenhüttl.

In der Bundesliga riefen einige Fangruppen zum Protest gegen Montagsspiele auf. Während einige RB-Anhänger der sogenannten „aktiven Fanszene“ sich im Boykott der Montagsspiele üben wollten, bezahlt der Verein die Reise zu eben diesem nach Frankfurt. Nach einem Tennisballregen auf Gulascis Tor verlieren die Rasenballer 2:1 wie auch gegen den 1. FC Köln am darauffolgenden Sonntag. Wichtige Punkte, die für eine Champions-League-Platzierung fehlen werden.

März

Das Achtelfinale der Europa League gegen Zenit St. Petersburg gewinnt RB mit 2:1, zum Rückspiel (1:1) in Russland fahren 32 Leipziger.

Temperaturen um die null Grad? Quasi Sommer!

Die „stolze Kurve voller Geschichte“ in Stuttgart begrüßt traditionsgemäß mit Bannern die „Bullen in der Arena“. Das Spiel ist mäßig und endet unentschieden 0:0.

Nach einer längeren Durststrecke kommt RB zurück – ausgerechnet gegen die Bayern (2:1). Es folgt ein Auswärtssieg gegen Hannover 96 (2:3).

April

Der April ist für den geneigten Rasenballanhänger ein schlechter Scherz. Nach einem überzeugenden Sieg (1:0) gegen Olympique Marseille zuhause im Viertelfinale der Europa League folgt der große Einbruch. Zuhause wird man 1:4 von Bayer Leverkusen zerhackstückelt, in Südfrankreich verlieren die Rasenballer aus Leipzig 2:5, es folgen ein erkämpftes 1:1 gegen Bremen (Torschütze wieder Lookman) und wieder ein Desaster zuhause gegen die TSG Hoffenheim (2:5).

Die Leipziger Defensive zerfällt in diesem Monat regelmäßig, sobald der Gegner in Führung geht. Die Abstimmung untereinander fehlt, der Kampfgeist und das Selbstvertrauen leiden sichtlich.

Auch der Besuch in der Opel-Arena wird zu einem Reinfall.

Zwar kann man die Mainzer dafür beglückwünschen, dass sie eine Wende zu einem eher spielerischen Ansatz und mehr Selbstvertrauen auf dem Platz schafften, die bis heute anhält. Dass sie damit aber ausgerechnet gegen die ohnehin gebeutelten Leipziger ihren Klassenerhalt (3:0) besiegelten, musste nicht sein. Wenigstens gab es eine hübsche Choreografie zu bestaunen.

Mai

Alles neu macht der Mai. Zunächst bekommt das Team von den Fans den Marsch geblasen in aufmunternder Absicht. Einem Besuch beim Training und motivierenden Ansprachen folgt ein Fanmarsch durch die Innenstadt

Die Wolfsburger, die nach dem Trainerwechsel hoffen, die Abstiegsplätze verlassen zu können, werden mit einem 4:1 aus dem Stadion gejagt.

Es folgt ein fulminanter Saisonabschluss im Olympiastadion zu Berlin. Etwa 8.000 Leipziger tragen fast einheitliches Rot.

An einem wunderschönen Sonntagnachmittag werden Dominik Kaiser und Naby Keita aus Leipzig verabschiedet. Der Verein richtet ein Abschiedsspiel aus, auf der Leinwand flimmern Bilder von Domme, der den Verein von der Regionalliga bis zur Bundesliga sechs Jahre begleitete. Die Fans aus verschiedenen OFCs basteln eine Choreografie. Es ist ein ergreifendes Ereignis.

Dass der KaiseRBall auch der letzte Auftritt von Trainer Ralph Hasenhüttl sein würde, hätte keiner geglaubt. Die Ära Ralph und Ralf findet ein Ende, weil Rangnick seine Spielphilosophie zu wenig umgesetzt sieht und Hasenhüttl das sture Festhalten am Umschaltspiel nicht mehr vertreten kann. Freilich gab es auch ob des zuletzt desaströsen Defensivverhaltens der Mannschaft Kritik an ihm.

„Achtung, wir haben eine Ecke, jetzt kassieren wir das erste Gegentor.“

Kommentar eines Fans

Auch die Schwäche, Standards zu verteidigen, sorgte schon für lakonische Bemerkungen. Ralph Hasenhüttl nicht mehr die weitere Entwicklung des Teams zuzutrauen, war bei den Fans umstritten. Es folgt aber der Linie Rangnicks, der bereits drei Jahre zuvor einen Trainer (Alexander Zorniger) entließ, weil jener die Spielphilosophie nicht mehr hundertprozentig vertreten sah und dieser die Nichtverlängerung des Vertrags nicht hinnehmen wollte. Genauso war es bei Hasenhüttl.

„Entweder habe ich Verantwortung und nehme sie auch wahr oder eben nicht.“

Letzteres kann man ihm bei aller Kritik nicht vorwerfen. Ralf Rangnick im Interview befragt zur Freistellung Alexander Zornigers im Dezember 2015. (Zitiert nach Ullrich Kroemer: RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen)

Juli/August

Wie drei Jahre zuvor übernimmt Ralf Rangnick diese Saison den Cheftrainerposten. Weil die Eintracht überraschend den DFB-Pokal gewinnt, muss sich RB erst für die Europa League qualifizieren. Die Vorbereitungszeit auf die Saison wird somit arg verkürzt, die Saison selbst beginnt bereits am 26. Juli. Insgesamt 32 Pflichtspiele sind bis Jahresende zu absolvieren.

In Meuselwitz konnte man die Neuzugänge Marcelo Saracchi (links), Nordi Mukiele und Matheus Cunha aus der Nähe betrachten.

Gegen BK Häcken und Universitatea Craiova gewinnen die Rasenballer souverän. Yvon Mvogo und einige andere bekommen mehr Spielzeit, weil Rangnick zwischen heimischer Liga und Europa League kräftig rotiert. Gegen Zorya Luhansk gelang der Sieg erst durch einen Handelfmeter in der letzten Minute. Europa, wir kommen!

Der Ligaauftakt begann eher holprig. Das 4:1 in Dortmund, naja, aber nur ein 1:1 gegen die Fortuna aus Düsseldorf zuhause? Die schlimmsten Befürchtungen – wegen zu geringer Vorbereitungszeit, keine Sommertransfers für die notwendigen Positionen im offensiven Mittelfeld, der abrupte Trainerwechsel – stellten sich ein.

September

Anders als die Concorde starteten die Leipziger ihren Höhenflug eher langsam.

Doch mit den Siegen gegen Hannover (3:2), Stuttgart (2:0) und schließlich Hoffenheim (1:2) kam die Zuversicht zurück.

Gegen Salzburg verlieren die Leipziger (2:3), nachdem man den Ausgleich erzielte und eigentlich hoffte, dass mit etwas Glück der Punkt in Leipzig bleiben könnte. Die Salzburger sind konsequenter im Umschalten und die Leipziger zu unsicher im Spielaufbau.

Der neue Fantreff Zwotausend9 vorm Glockenturm wird eröffnet. Er ist stets gut besucht und lädt zum Anstoßen und Schnacken ein. Die Solidaritätsbändchen mit den Rainbow Bulls wurden dort verteilt und auch Fangespräche wie zuletzt mit den Rasenballisten fanden dort statt.

Oktober

Mit dem höchsten Sieg der RB-Geschichte gegen Nürnberg (6:0) beginnt eine Zu-null-Serie von sechs Spielen. Die im Sommer angekündigte Stabilisierung der Leipziger Defensive scheint Rangnick gelungen. Der alte Fuchs hat auch die letzten verstummen lassen, die im Stadion auf Tim Thoelkes „Unser Trainer heißt Ralf…“ immer noch mit „Hasenhüttl“ antworteten.

Auch gegen den Malocherklub hält die Zu-null-Serie

Lange ersehnt war das Spiel gegen Celtic Glasgow. Man merkte die Aufregung in der Stadt. Das Treiben der Celtic-Fans wurde ebenso sehr mit Interesse verfolgt wie das Spiel, was bei einem so jungen Verein, dessen Fans mittlerweile an den Ligabetrieb einigermaßen gewöhnt scheinen, nicht verwunderlich ist.

Zum Abschluss bescheren uns die Rasenballer ein Weiterkommen im DFB-Pokal, was bei dem Gegner nicht unbedingt zu erwarten war. Chapeau Rangnick.

November

Traditionen muss man bewahren, vor allem wenn sie solche Hochgefühle bescheren wie die Spiele der Rasenballer aus Leipzig im Olympiastadion.

Auch im Dunkeln dominiert hier nur eines: das Rot der Leipziger.

Die Fanproteste der Herthaner gegen das komplette Verbot von Fahnen und Trommeln im Stadion werden von den Verantwortlichen wegmoderiert. Mit dieser Maßnahme reagierte die Vereinsführung auf Aktionen der Herthaner Ultras in Dortmund.

Dort gab es einen Polizeieinsatz beim Spiel gegen den BVB, weil Pyrotechnik gezündet wurde und die Polizei sich gezwungen sah, die Zaunfahne der Berliner Hauptstadtmafia einzukassieren. Diese diente ihnen als Schutz vor den Überwachungskameras. Sie prügelten daraufhin munter auf die Beamten drauflos, denn diese ist ihnen heilig. Es haben sich schon Ultragruppen wegen des Verlusts der Zaunfahne aufgelöst, die für sie identitätstiftend ist.

Der November ist vom Auf und Ab geprägt. In Glasgow verliert man (2:1), gegen Leverkusen holt man souverän drei Punkte (3:0), um sich dann gegen Wolfsburg auskontern zu lassen (1:0). Anschließend muss man sich gegen die Salzburger Bullen geschlagen geben (1:0). Es zeichnet sich ab, dass man gegen spielführende Teams ganz gut mit Gegenpressing und Umschalten arbeiten kann, während man sich gegen Gegner, die selbst gegen den Ball arbeiten, schwer tut.

Kevin Kampl ist zu einer tragenden Säule im offensiven Mittelfeld gereift. Das bewiesen seine Einwechslung in der zweiten Halbzeit in Glasgow und sein Fehlen in Salzburg anschaulich. Ihm gelingt es, durch Geschwindigkeit und Übersicht wichtige Bälle zu erobern und nach vorne zu spielen, außerdem strahlt er ebenso wie Diego Demme große Ruhe am Ball aus.

Eingepfercht in einen engen Block muss man das Elend mitansehen (Wolfsburg, 1:0).

Auch das Spiel in Salzburg war ein Ereignis. Man hoffte doch etwas mitnehmen zu können, wenigstens ein Unentschieden. Geprägt war das Spiel aber von wenig Offensivqualitäten der Leipziger und wieder einmal zu großen Unsicherheiten im Aufbauspiel. Gegen eine Pressingmannschaft sieht man eben nach wie vor alt aus.

Beide Lager sind bemüht, den „Derbycharakter“ des Spiels zu betonen.

„In der Vorbereitung haben wir uns stark mit unserer Art des Spiels gegen den Ball, mit dem Anlaufverhalten, dem Ansprinten beschäftigt und haben dann früh gemerkt, dass wir stärker das Spiel bei eigenem Ballbesitz berücksichtigen müssen, weil wir da ebenso Varianten und Lösungen benötigen.“

Das sagte Ralf Rangnick nicht etwa nach dem Spiel gegen Salzburg, sondern bereits im Dezember 2015. Sollte man ihm mal wieder vorlegen. (Zitiert nach Ulli Kroemer: RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen)

Dezember

Schütteln, weitermachen. Das war das Motto im Dezember. Gegen den Tabellenzweiten Mönchengladbach stand wieder die Topelf auf dem Platz und zeigte, was sie drauf haben (2:0).

Mit einem beschämenden Unentschieden (1:1) schied man glanzlos aus der Europa League aus. Betrachtet man es positiv, dann kann man sich jetzt voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren, die Fans sparen Geld statt teurer Auswärtsfahrten. Vielleicht ist im DFB-Pokal etwas zu holen. Wenn da bloß nicht Wolfsburg im nächsten Jahr käme.

Peter Gulasci ist zum Publikumsliebling avanciert. Bei jedem Ball, den er hält, ertönt im Stadion sein Name aus vielen Kehlen. Eine schöne Sache. Hier muss er von Bruma der Fangemeinde präsentiert werden.

Halstenberg hilft Diego Demme beim Entkleiden – es scheint wieder zu stimmen im Team.

Kurz vor Weihnachten dann noch einmal die Bayern. Es war ein merkwürdiges Spiel. Lange Zeit hielt man defensiv stand, erarbeitete sich sogar ein paar Chancen, aber es reichte eben nicht.

Merkwürdig war auch, dass nach dem gemeinsamen Verlassen des Stadions einiger Anhänger beim Spiel gegen Mainz aus Solidarität mit den Ausgesperrten in München die üblichen Trommler und Vorsänger fehlten. Ob es da einen Zusammenhang gab, war nicht zu erfahren.

Den Schlusspunkt setzte ein spannendes Spiel gegen Bremen (3:2). Es zeigte die Stärken: in der ersten Halbzeit erzwingen sie durch frühes Anlaufen die Ballgewinne, um dann schnell Torgefahr zu entwickeln. Es zeigte aber auch die Schwächen: unsaubere Pässe und fehlende Stabilität im Mittelfeld, wenn Kampl fehlt. Mit Ballbesitz lässt sich eine Führung auch verteidigen. Verliert man die Bälle aber im eigenen Spielaufbau, entstehen Räume für den Gegner.

Kann er haben nach der guten Leistung in den letzten Spielen und dem Tor gegen Bremen: eine stolz geschwellte Brust.

Geht er, bleibt er? Sportlich ist er in Leipzig zu einem Topstürmer gereift. Stets aufgeschlossen und publikumsnah ist er eine Identifikationsfigur für die Leipziger Fangemeinde.

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